Was Depression mit Wut zu tun hat

Hast Du schon mal die Aussage gehört, dass eine Depression nach innen gerichtete Wut ist? Ich habe das früher nicht begreifen können, denn – ich habe keine Wut gespürt 😳

Was? Echt nicht?

Lass mich das kurz erklären. Meine Eltern trennten sich als ich 5 und mein Bruder 7 war. Mein Bruder hatte ein schwierige Zeit deswegen, und ich hatte damals wohl das Gefühl, dass meine Mutter genug mit meinem Bruder zu tun hat (ob ich auch daran gedacht habe, wie es für sie selbst ist, weiß ich nicht). Die Position des „Troublemakers“ war damit vergeben, also habe ich mir die des „Sonnenscheins“ ausgesucht. Von 5 bis 13 war ich der Sonnenschein. Immer fröhlich, nett und freundlich. Ich erinnere mich nicht mehr ganz im Detail daran, das sind viele Erzählungen meiner Mutter.

Ob ich in all den Jahren keine Wut empfunden habe? Wahrscheinlich schon, aber ich war ja der Sonnenschein, also besser mal nicht wirklich spüren oder gar rauslassen. Dann kam die Pubertät. Mein Bruder war zum „Musterknaben“ geworden, die Stelle des „Troublemakers“ war wieder frei, und ich habe sie mir sofort geholt. Ich war sehr wütend und wild in diesen Jahren, und sehr unglücklich damit. Denn mein Selbstbild war ja ein ganz anderes. Sanft, freundlich, sonnig. Ich war auf alles und jeden wütend und bin damit ziemlich angeeckt. Das war nicht schön für mich. Also habe ich nach ein paar wilden und anstrengenden Jahren entschieden, dass es doch besser für mich ist, wieder ein „Sonnenschein“ zu sein.

Und rückblickend ging es ja mit der Depression richtig los. Ich habe begonnen, Wut und andere schwierigen Gefühle, die gesellschaftlich kein gutes Image haben, zu unterdrücken. Mittlerweile weiß ich ja, dass sich diese Gefühle nicht einfach in Luft auslösen, nur weil ich sie nicht rauslasse oder sehen will.

„Jedes unterdrückte Gefühl geht in den Keller, stemmt dort Gewichte und kommt noch stärker wieder hoch“.

Sie sind wie kleine Kinder, die alles anstellen, um gesehen zu werden. Und je mehr wir sie ignorieren, desto lauter müssen sie werden, desto heftiger. Gefühle machen etwas mit unserem Körper. Es gibt Reaktionen darauf. Und diese Reaktionen sind auch wichtig.


Unterdrückte Gefühle sind Energievampire

Was passiert also, wenn wir Gefühle, die uns nicht passen, weil sie vielleicht nicht in unser Selbstbild oder zu unseren Erwartungen passen, unterdrücken? Es kostet uns eine Menge Energie. Diese Energie brauchen wir aber z. B. für die Aufrechterhaltung unseres Immunsystems und zur Zellregeneration. Wenn es da fehlt, werden wir schneller krank. Darüber hinaus können unterdrückte Gefühle körperliche Stressreaktionen aller Art auslösen: erhöhter Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen, Nierenschäden, Magenprobleme, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Und auf Dauer natürlich auch Depressionen, Ängste oder auch eine Sucht.

Bevor es also so weit kommt oder auch wenn es schon so weit ist - es ist immens wichtig zu lernen, wie man mit schwierigen Gefühlen umgeht. Denn Unterdrücken ist keine Lösung und macht auf Dauer krank. Ja, das kostet Energie, aber es ist viel hilfreicher und eben auf Dauer gesünder, die Energie für die Verarbeitung zu nutzen, als für die Unterdrückung.

Mein erster Tipp für Dich ist wieder und immer wieder meine Meditation "Beruhigende Berührung".

Mein zweiter Tipp ist: Sieh genau hin! WAS will das Gefühl Dir sagen? Alle unsere Gefühle sind unsere „Freunde“ und „Verbündeten“- sie weisen uns auf etwas hin, das wir vielleicht oberflächlich übersehen haben. Vertraue Dir und Deinen Gefühlen. Wenn sich etwas schräg anfühlt, dann nimm Dir die Zeit und erforsche, was dahintersteckt.

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung

Und ja, es kann sehr schmerzhaft sein, wenn man erkennt, was dahintersteckt. Und ja, es kann auch verdammt schwer sein, überhaupt erstmal zu erkennen, was dahintersteckt. Deswegen haben wir das Gefühl ja auch anfangs bereits unterdrückt. Wir wollten uns schützen, es war ja gut gemeint. Leider bringt es nix.

Wenn Du Dich also wunderst, warum Du so wenig „negative“ Gefühle hast (wir geben den Gefühlen gerne Bewertungen, was es uns selbst dann schwerer macht), dann schau mal nach, wovor Du Angst hast. Was Du entdecken könntest, wovor Du Dich schützen willst ...

Diese Reise nach innen ist wirklich lohnenswert.

Ich habe über diese Reise meine eigenen Depressionen augeflöst. Und da steckte noch viel mehr als Wut dahinter.

Ich bin auf dieser Reise gerne Deine Begleitung. Sind wir alleine unterwegs, scheuen wir uns oft, in die dunklen Ecken zu gucken 😉 – aber genau da liegt die Lösung.

Ich sende Dir Licht und Liebe ☀️💛

Deine Iv

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